Eine fiktive Geschichte über gefallene Engel und Galgenvögel auf St. Pauli – der Niedergang einer bürgerlichen Gemeinschaft an einem erdachten Beispiel in der Hafenstadt Hamburg

sentiment_very_satisfied4. October: Die Illusion wird Realität: Himmlisches Shemale mit bombastischer Oberweite ergreift die Möglichkeit und bezirzt den Mitarbeiter des Ehepartners, lässt sich von dem paarungsbereiten Athleten ausufernd in den Darmausgang bumsen, mithin sie zuvor seinen Schniedel hart lutschte…mehr

Das Fahrzeug, vom Holstenwall über den Millerntordamm kommend, biegt in den Millerntorplatz, sortiert sich in Fahrtrichtung zur Reeperbahn ein, hält jäh vor der soeben auf Kirschrot geschalteten Ampelanlage. Teile des oberen Kreissegmentes der orangeroten Sonnenscheibe leuchten eindrucksvoll am Horizont im Westen über Hamburg-Altona. Genervt klappt der vollleibige Taxichauffeur die Sonnenblende runter. Schlaftrunken im Fond ruhend, beobachtet Barnabas gelangweilt die endlose Schar von Passanten, die die hanseatische Unterwelt aus der U-Bahn Station St. Pauli in die Abendsonne ausspuckt, sie strömen unbeirrt zum Rummel, dem Frühlingsdom, auf das Heiligengeistfeld. Was für ein sinnloser Zeitvertreib, sinniert Barnabas. Sowie die Lichtsignalanlage die Weiterfahrt freigibt, gewinnt die bullige Limousine merklich an Geschwindigkeit, mit sanften beschleunigenden Schubkräften wechselt das Automatikgetriebe die Übersetzungsverhältnisse zwischen der Dieselmaschine und der Antriebsachse.

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„Wo auf dem Kiez darf ich sie absetzen?”, grunzt der grobmotorische Fahrkünstler.
„Ecke Reeperbahn und Große Freiheit, bitte”, erwidert er verdichtet. „
Okay, wird gemacht”.
Der langgestreckte Spielbudenplatz zu seiner Linken entfaltet bei Tageslicht den üblichen deprimierenden Sinneseindruck, sobald die dominierende natürliche Strahlungsquelle die sichtbare Himmelssphäre verlassen haben wird, wird der künstliche Lichtstrom der Leuchtreklamen die Oberhand gewinnen, die über den Eingängen der Vergnügungsgeschäfte thronen und versuchen sollen, zu den Absteigen für den preisgünstigen Samenerguss, Kabaretts, Musikclubs, Peepshows, Sexshops, altertümlichen Etablissements für Striptease Aufführungen mitsamt Live Fick Shows und zeitgemäßere Tabledance Bars die liquide Kundschaft anzulocken, überdeckt folglich sodann das trostlose Sentiment der zentralen graubraunen Ödnis.

Die Huren und Sexmodelle von der Davidstraße

Er registriert, dass auf dem Trottoir der Davidstraße, gegenüber dem altehrwürdigen, amarantroten Backsteingebäude der Davidwache, wie gewohnt in diesen Abendstunden eine Mannigfaltigkeit aufgedonnerter, blutjunger Huren, Sexarbeiterinnen, aus aller Herren Länder in schrillen, hautengen Stoffumhüllungen, sinnverwandt Wurstpellen – vollbusige Blondinen aus osteuropäischen Gefilden, gazellenhafte Afrikanerinnen, kaffeebraune Südamerikanerinnen und exotische Asiatinnen –, längst um die zahlungskräftige männliche Kundschaft, welche schaubegierig durch das Spalier der paarungsbereiten Freudenmädchen lustwandelt, aggressiv kobern. Wie von unbekannter Hand steht das opulente Angebot zur flüchtigen Begattung, zum eiligen Fick, aufgereiht, präzise um zwei Häuserblöcke äquidistant platziert: von der Davidstraße, eingeschlossen die Bürgersteige der Friedrichstraße, entlang bis zu den Sichtsperren der Herbertstraße, weiter in der Gerhardstraße, auf dem Hans-Albers-Platz und über die Reeperbahn wieder zurück zur Davidstraße.

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Zielorientiert strebt Barnabas die Große Freiheit hoch, dem Eingang zum Men Paradise entgegen.
„Hi, Barnie. Gehts gut?”, brummt der stämmige Türsteher Fazil vor dem Sexclub, öffnet ihm derweil eifrig die Eingangstür.
„Moin”, quittiert Barnabas reserviert, ohne Fazil eines Blickes zu würdigen, geschweige die Frage zu beantworten. Den Kundenbereich, ein quadratisches Halbdunkel gefüllt mit zerschlissenen, purpurroten Plüschmöbeln vor einer langgezogenen Cocktailbar und einer winzigen Showbühne, durchquert Barnabas zügig, huscht wortlos am Tresen vorbei, wo eine gealterte Kellnerin, die Geschäftsführerin, drei halbnackte, barbusige Animiermädchen sich lautstark mit ihren volltrunkenen Gästen amüsieren und verschwindet zielbewusst in der Garderobe der Go-go-Tänzerinnen.

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Nebulöse Geschäfte im Striptease Club auf der Großen Freiheit

Während Chompoo mit dem Auftragen des Make-ups beschäftigt ist, identifiziert sie erschrocken das Spiegelbild von Barnabas, sie springt unverzüglich, aber zitterig auf, flüchtet lediglich mit einem String-Tanga bekleidet gemeinsam mit ihm zur Toilette.
„Wieviel hast du?”, fragt sie schüchtern.
„Was soll die Scheißfrage? Schau mal ganz genau hin mit deinen schwarzen Schlitzaugen, Dummerchen. Seh ich aus wie ein verfickter Pisser aus Patpong?”.
„Was? – Ich versteh nicht?”.
„Miststück, du verstehst mich ganz genau, verarsch mich nicht. Seh ich aus wie ein verfickter Pisser aus Patpong? Beantworte einfach die Frage”.
„Nein, nein, natürlich nicht. Aber, aber, ich hab nur vierhundert”, stammelt sie.
„So, so, also doch, du willst mich ficken wie einen verlausten, schmierigen Pisser aus Patpong!”.
„Was? Nein, nein, so hör doch!”.
„Pass auf Votze, ich zeig dir jetzt was passiert, wenn du glaubst, du kannst mich einfach so, in den Arsch ficken”, dabei schiebt er sie mit seiner muskulösen Körpermasse von neunundachtzig Kilo rabiat an die kalte gekachelte Toilettenwand.
„Stop! Sofort aufhören! Okay, okay, ich habe verstanden!”, kreischt sie.
„Wo willst du hin?”
„Ich hole den Rest”.
„Lass die vier Scheine hier. Mach zu und beweg deinen Arsch, Schlampe”.
Sie verlässt entsetzt den Toilettenraum, Barnabas fingert eine filterlose Zigarette aus einer Schachtel in der Brusttasche und entzündet den Glimmstängel entspannt, inhaliert in kräftigen, aber ruhigen Lungenzügen. Er ist keineswegs beunruhigt, die zierliche Chompoo verkörpert eine zuverlässige Kundin, gelegentlich benötigt sie eine humorlose Ermahnung, das gehört unausweichlich zu seinem Business, überlegt er, währenddessen er Schritte hört. Zaghaftes klopfen. Erleichtert verweilt Chompoo in einem cremefarbenen Negligé vor der WC-Tür mit den Banknoten in der Hand.
„Hier, ich habe den Rest”.
„Geht doch, Liebling. Nimm deine Süßigkeiten.” Barnabas drückt ihr einen Plastikbeutel in die Hand.
„Viel Vergnügen, Süße”, streichelt ihre feuerrote linke Wange und entschwindet schwungvoll aus dem Men Paradise.

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